Going to hell
Somebody Else's Kids - Torey L. Hayden

Somebody Else's Kids

von

Torey L. Hayden

 

Auch in diesem Buch hat Torey wieder ihre Erfahrungen mit besonderen Kindern aufs Papier gebracht, dieses Mal konzentriert sie sich dabei nicht auf einen einzigen Fall, sondern auf vier.
Ein fünf Jahre alter Junge, Boo, der an einer Form von Autismus leidet, ein sieben Jahre altes Mädchen, Lori, das durch die massiven, körperlichen, Misshandlungen ihres Vaters Hirnschäden erlitt und nun an einer Lernschwäche leidet, ein elf Jahre alter Junge, Tomaso, der als Kind zusah wie seine Mutter seinen Vater tötete und die schwangere, zwölfjährige, Claudia.
__
Torey hat erneut ein wundervolles Buch geschrieben, dabei nimmt sie keine Rücksicht auf die Gefühle des Lesers, sie schildert schonungslos das Schicksal jedes „ihrer“ Kinder, mit all dem Leid, Schmerz, mit Wut und Hass, aber auch wie sie es schafft den Kindern Halt und Hoffnung zu geben – und sie zeigt wie die Kinder dies auf ihre besondere Weise auch für sie tun.
Dabei erhebt sie keinen Anspruch auf die Richtigkeit ihrer Methoden im Umgang mit den Kindern, im Gegenteil scheut sie sich nicht Fehler und Rückschläge in diesem Buch zu veröffentlichen, genauso wie die Unfähigkeit eines normalen Lehrers wirklich nachhaltig etwas für diese Kinder, sogenannte „Problemfälle“ zu tun.
Sie zeigt deutlich dass es oft schon an den Eltern scheitert, weil diese nicht einsichtig sind oder sein wollen, auch das ihre Arbeit ein ständiges Auf und Ab bedeutet, mit allen Konsequenzen – auch für ihr eigenes Privatleben.
Trotzdem zeigt sie was man erreichen kann, das gerade in Kindern die von anderen abgeschrieben wurden unglaublich viel Potenzial steckt und man sie nicht aufgeben darf, weil es sich immer lohnt zu kämpfen.
Torey zeigt von Anfang an den langen Weg den sie gemeinsam mit diesen vier Kindern ging, dabei deckt sie nach und nach die jeweiligen Lebensgeschichten auf, sie lässt uns teilhaben an wunderschönen Momenten geprägt von Ruhe, Freude und Fortschritt, wie die Kinder anfangen einander zu verstehen und zu schätzen, wie sie langsam zu einer Gruppe zusammenwachsen in der jeder seine Probleme hat – aber nicht mehr alleine mit ihnen ist.
Gleichzeitig führt sie uns durch die schlimmsten und tiefsten Stunden, harte Rückschläge, das Scheitern an unüberwindbaren Hindernissen und immer wiederkehrenden Rückschritten in der Entwicklung der Kinder.
Als kleine Einschübe lässt sie uns auch an ihrem Privatleben teilhaben, vor allem darauf konzentriert dem Leser die Auswirkungen ihrer Arbeit auf den Rest ihres Lebens zu zeigen und deutlich zu machen dass sich ihre Arbeit, trotz aller privater Konsequenzen, schlussendlich lohnt – und sie diese Arbeit liebt, weil sie selbst ständig dadurch wächst und lernt, auch über sich selbst.
„Somebody Else‘s Kids“ ist kein Buch für zwischendurch, vielmehr ist es eine Studie über unsere Gesellschaft und ein Aufruf an alle dass Kinder, egal wie problematisch oder anders sie sein mögen, immer eine Chance verdient haben.
Es ist warmherzig, man schmunzelt hier und da, doch die meiste Zeit liest man mit Trauer und Wut im Herzen.
Ein Buch das berührt und nachdenklich macht.

17.2.12 14:14
 


Gratis bloggen bei
myblog.de